Abgeschoben. Was das mit den Helfern macht.

Ärzte, Psychologen oder Coaches sind Profis und wissen, dass sie zu ihren Patienten bzw. Klienten keine persönlichen Bindungen aufbauen dürfen. Das wäre unprofessionell und der Aufgabe nicht förderlich. Aber es ist nicht einfach.

Wie geht es aber den beherzten Menschen, die sich für Asylsuchende engagieren? Auch sie sollten keine persönliche Bindung zu ihren „Schutzbefohlenen“ aufbauen. Sie sind keine Profis, haben keine Ausbildung, kein Training – dafür Herzensbildung und persönliches Engagement.

Durch die Politik kommt es bei uns in Röhrmoos/Schönbrunn derzeit häufig zu abgelehnten Asylanträgen, die eine Abschiebung zur Folge haben. Diese Politik bewerte ich in diesem Artikel nicht, aber sie hat immense Folgen für alle Betroffenen: für die Flüchtlinge und für ihre Betreuer und Helfer.

Denn diese Menschen leben seit Monaten, teilweise seit Jahren in unserer Nachbarschaft. Sie wurden ursprünglich vom Bahnhof abgeholt, zur Unterkunft gebracht. Man hat ihre Bekleidung organisiert. Jeder bekam ein Fahrrad für die persönliche Mobilität, man begleitete sie zu ihren Behördengängen und zu den Ärzten, organisierte ihren Sprach-  und Staatsbürgerunterricht, erleichterte ihnen den Kontakt in ihre Heimat und vieles mehr. Für Menschen, die arbeiten durften und konnten wurden Jobs gesucht und dergleichen mehr.

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Man lernte ihre zu Teil äußerst tragischen Geschichten kennen, lernte etwas über deren Kultur oder wurde auch mal zum selbst gekochten Essen eingeladen. Es wurden viele Gespräche geführt, auch wenn das oft durch die Sprachbarriere schwierig war. Oft mussten die jungen Menschen motiviert werden, weiterzumachen um dem staatlich verordneten Frust durch die auferlegte Untätigkeit der Flüchtlinge etwas entgegenzusetzen. Kurzum – ein unglaubliches, selbst organisiertes Engagement war und ist nötig, um den ursprünglichen Flüchtlingsstrom in den Griff zu bekommen bzw. die tägliche Betreuung aufrechtzuerhalten.

Seit ein paar Jahren sind die Flüchtlinge ein wichtiger Teil des Lebens von einigen engagierten Helfern. Und plötzlich droht ihnen die Abschiebung. Das heißt aber auch für die Helfer Abschied nehmen. Loslassen zu müssen und die Folgen der Abschiebung auszuhalten. Denn die Helfer wissen genau, was Abgeschobenen blüht. Entweder die Rückkehr in die eigenen Länder und damit teilweise Gefahr für deren Leib und Leben (auch in sogenannten „sicheren Ursprungsländer“). Oder aber die Flüchtlinge tauchen ab, entziehen sich so der Abschiebung und werden zwangsläufig kriminell. Denn ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung ist man illegal und kann sich häufig nur durch Diebstähle und schlimmeres über Wasser halten. (Auch das werte ich in diesem Artikel nicht).

Das lässt natürlich keinen kalt. Jetzt müsste man diese professionelle Distanz besitzen – geht aber nicht. Das bedeutet auch unter den Helfern ein großes Frustpotenzial und ein Stück weit Verzweiflung. Auch damit werden die Helfer, wie bei so vielem, alleine gelassen.

 

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